In einem Drama macht meist eine oder auch mehrere Figuren eine Lebenskrise durch, sind vor eine lebensveränderte Entscheidung gestellt oder haben einen Verlust erlitten und müssen ihre Leben deswegen neu ordnen.
Das Drama setzt auf psychologische Tiefe, emotionale Wahrhaftigkeit und stringente interne Logik.
Der eigentliche Fokus des Dramas liegt im Konflikt: Menschen stehen vor ethischen Dilemmata, stecken in existenziellen Krisen oder müssen unter Druck reagieren. Diese Konflikte lassen sich in der Regel in drei Kategorien einteilen:
- Interne Konflikte: Die Auseinandersetzung mit eigenen Fehlern, Traumata, moralischen Grenzen oder der eigenen Identität, wie z. B. in „Moonlight“, „Her“ oder „Nomadland“.
- Interpersonelle Konflikte: Das Aufeinanderprallen unvereinbarer Lebensentwürfe in Partnerschaften, Familien oder sonstigen Gemeinschaften, wie z. B. in „Whiplash“, „Die 12 Geschworenen“ oder „Little Woman“.
- Gesellschaftlicher Konflikt: Der Kampf des Einzelnen gegen starre Institutionen, soziale Ungerechtigkeit, Klassenstrukturen oder historische Umstände, wie z. B. in „Selma“, „12 Years a Slave“ oder „Erin Brokovitch“.
Über die Jahrzehnte hat sich das Genre immer wieder etwas verändert:
In der Stummfilmzeit bis in die 1920er Jahre waren die Dramen meistens moralisch noch recht schwarz-weiß.
In den 1920er Jahren entstand dann das Kammerspiel, wie z. B. der Film „Der letzte Mann“.
In den 1930er bis 1950er Jahren wurden Dramen komplexer und folgten einer klaren moralischen Ordnung. Die Konflikte in den Filmen fanden meistens im privaten, familiären sowie partnerschaftlichen Raum statt.
In den 1960er bis 1980er Jahren spiegelten die Dramen in den Filmen immer mehr gesellschaftliche sowie politische Konflikte wider. Es gab immer mehr moralische Graustufen sowie gebrochene, einsame Antihelden und psychische Abgründe. Themen waren u. a. Traumata, Gewalt, Korruption und Entfremdung.
In den 1990er und 2000er Jahren wurden Dramen globaler, intellektueller und auch experimenteller. Die lineare Erzählweise wurde teilweise aufgebrochen oder Filme in verschachtelten Episoden erzählt, um eine zunehmend komplexere und unübersichtlicheren Welt zu spiegeln. Gerade in Independent-Filmen wurden Dramen aber auch intimer sowie nischiger und wagten sich an Themen wie: Identitätskrisen, queeres Leben oder psychische Erkrankungen.
Seit den 2010er Jahren spiegeln Dramen oft die soziokulturellen Debatten wider: es ging um Überschneidungen von Themen wie z. B. Identität, Klasse, Herkunft und Sexualität. Oft wurden Dramen auch wieder minimalistischer: lange Einstellungen, natürliches Licht und weniger Dialog.
Man könnte sagen das Drama hat sich vom eher Äußeren, äußere Bedrohungen usw., mehr ins Innere, komplexe ungelöste innere Konflikte usw., verlagert. Sie spiegeln heute alle Facetten der menschlichen Existenz.
Subgenres:
Das Kammerspiel:
Die Handlung spielt sich oft in nur einem Raum, zwischen wenigen Figuren und über einen begrenzten Zeitraum statt. Der Fokus liegt auf den beteiligten Figuren, ihren Dialogen und emotionalen Dynamiken.
Das Sozialdrama:
Beschäftigt sich in der Regel mit Menschen, die von der Gesellschaft abgehängt wurden und bietet raue und authentische Bilder.
- Rocky (1976)
- Scarface (1983)
- American History X (1998)
- Billy Elliot – I Will Dance (2000)
- Erin Brockovich (2000)
- Million Dollar Baby (2004)
- Slumdog Millionaire/Slumdog Millionär (2008)
- 12 Years a Slave (2013)
- Selma (2014)
- Spotlight (2015)
- Nomadland (2020)
Das Gefängnisdrama:
Es ist eine Unterform des gesellschaftlichen Konfliktdramas: der Mensch gegen das System. Der begrenzte Raum des Gefängnisses oder Straflagers wird zu einem Druckkessel.
- Cool Hand Luke/Der Unbeugsame (1967)
- The Shawshank Redemption/Die Verurteilten (1994)
- The Green Mile (1999)
Das Beziehungs- und Familiendrama:
Hier geht es in der Regel um Erwartungen und Verletzungen zwischen Partnern oder Eltern und Kindern.
- Who’s Afraid of Virginia Woolf?/ Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (1966)
- Brokeback Mountain (2005)
- Amour/Liebe (2012)
- Her (2013)
- Call Me by Your Name (2017)
Das Coming-of-Age-Drama:
Beschäftigt sich mit dem Übergang vom Kindsein zum Erwachsenenwerden. Dabei geht es auch um das Finden der eigenen Identität und den Verlust der Unschuld.
- The Graduate/Die Reifeprüfung (1967)
- Dead Poets Society/Der Club der toten Dichter (1989)
- Finding Forrester/Forrester – Gefunden! (2000)
- Lady Bird (2017)
- Little Women (2019)
Das psychologische Drama:
In diesen geht es vorrangig um das Innenleben der Figur. Das äußere Handeln dient in der Regel als Symptom oder Projektionsfläche für innere Konflikte, Traumata, Obsessionen oder moralischen Verfall.
- Taxi Driver (1976)
- The Piano/Das Piano (1993)
- Good Will Hunting (1997)
- There Will Be Blood (2007)
- The Social Network (2010)
- Whiplash (2014)
- Moonlight (2016)
- Lion – Der lange Weg nach Hause (2016)
Das Survival-Drama:
Setzt sich mit der Frage auseinander, wie ein Individuum unter extremen, lebensbedrohlichen Bedingungen überleben kann. Der Antagonist ist die Umwelt und der Protagonist muss in der Regel mit einem absoluten Minimum an Ressourcen überleben. Außerdem geht es dann oft auch um die Auseinandersetzung mit der eigenen Psyche und in welches Ziel dem Protagonisten Halt gibt.
Das Episodendrama:
Besteht in der Regel aus mehreren Handlungsstränge, die lose oder fester miteinander verbunden sind. Oft gibt es aber ein gemeinsames Thema, wie das gemeinsame Milieu bzw. der gemeinsame Schauplatz. Es wird nicht immer zeitlich linear erzählt und die Frage nach Zufall oder Vorsehung bleibt oft unbeanwortet.
