Science-Fiction

Im Science-Fiction geht es meist um mögliche wissenschaftlich-technische Erfindungen, Raumfahrt, ferne Zukunftsvarianten, Außerirdische oder sonstige zukünftige Entwicklungen.

Motive im Science-Fiction[1]

  • Vorstellung einer von der Geschichte abweichenden Modell-Gesellschaft: Utopie oder Dystopie
  • Begegnung mit außerirdischem Leben: wohlgesonnen oder feindlich
  • künstliche Menschen: gute oder böse Roboter/Humanoide
  • Apokalypse: Endzeitversionen und Terrorsysteme
  • Expeditionen ins All: eine Variante der Abenteuerreise
  • Reisen durch die Zeit: Rettungs-Aktionen zukünftiger Helden und Veränderung der Vergangenheit mit Auswirkung auf die Gegenwart

Merkmale des Science-Fiction[2]

Special-Effects
  • Tricktechniken: Schminke, Masken, bewegliche Puppen, gemalte Hintergründe, Auf- und Rückprojektionen, Simulationseffekte, Modelle
  • Digitale Bildbearbeitung

Die Geschichte des Science-Fiction

19. Jahrhundert
  • literarisches technikbegeistertes Genre (Jules Verne, H. G. Wells)
20. Jahrhundert
  • das Genre findet Eingang in Filme[3]
1910er Jahre
  • ein Jahrzehnt der Expansion: Weg von den kurzen „Trickfilmen“ der Jahrhundertwende hin zu längeren, erzählerisch komplexeren Werken
  • Genre war zu dieser Zeit noch eng mit dem Horror- und Abenteuerfilm verwoben
  • Themen: der künstliche Mensch, technischer Optimismus vs. Kriegsangst und wissenschaftliche Entdeckungsreisen
  • Weiterentwicklung von Doppelbelichtungen, Stop-Motion und Modellbau

Filme:

  • Frankenstein (1910)
  • 20.000 Meilen unter dem Meer (1916)
1920er Jahre
  • Jahrzehnt des monumentalen Kinos, der architektonischen Gigantomanie und der tiefen Skepsis gegenüber der Industrialisierung
  • Themen: die Stadt der Zukunft (Dystopie), Mensch vs. Maschine und Raumfahrt
  • Schüfftan-Verfahren: erlaubte Schauspieler in Miniaturmodelle von riesigen Städten zu projizieren
  • starker Einsatz von Licht und Schatten, sowie verzerrte, geometrische Kulissen, um die psychische Verfassung der Figuren zu spiegeln
1930er Jahre
  • stilistischen Wandel
  • geprägt von der Weltwirtschaftskrise, dem Aufkommen des Tonfilms und einer engen Verflechtung mit dem Horror-Genre
  • Themen: der wahnsinnige Wissenschaftler, biologische Experimente und Weltraumabenteuer
  • Geräuscheffekte (wie das Summen von Maschinen) und dramatische Dialoge ersetzten die Zwischentitel der Stummfilmzeit

Filme:

  • Frankenstein (1931)
  • Der Unsichtbare (1933)
  • Flash Gordon (1936)
1940er Jahre
  • Jahrzehnt des Übergangs und der politisch-technologischen Zäsur
  • Themen: Wunderwaffen und atomare Ängste
  • der Einsatz von Farbe revolutionierte die Darstellung von bizarren Landschaften und wissenschaftlichen Effekten
  • Darstellung von Strahlung oder mikroskopischen Welten durch neue optische Tricks und Matte-Paintings
1950er Jahre
  • Goldenes Zeitalter des Science Fiction: kommerziellen und kulturellen Durchbruch der Science-Fiction
  • Spiegelbild einer Gesellschaft, die zwischen technischer Euphorie (Raumfahrt) und existenzieller Angst (Atomtod) schwankte
  • Themen: Invasion aus dem All, atomare Monster und Eroberung des Weltraums
  • Einsatz von CinemaScope

Filme:

  • Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951)
  • Kampf der Welten (1953)
  • Godzilla (1954)
1960er Jahre
  • Übergang der Science-Fiction vom reinen Unterhaltungskino hin zu einer philosophischen und künstlerischen Ausdrucksform
  • surreale Bilder, unkonventionelle Farben und abstrakte Narrative
  • Themen: Evolution der Menschheit und Raumfahrt
  • das Design entfernte sich von blinkenden Lichtern hin zu klinisch weißen Sets oder rauen, betonlastigen Architekturen

Filme:

  • Die Zeitmaschine (1960)
  • 2001: Odyssee im Weltraum (1968)
  • Planet der Affen (1968)
1970er Jahre
  • Spaltung in zwei radikal verschiedene Richtungen: einerseits tiefpessimistische Dystopien, die von Umweltzerstörung und politischer Korruption, und andererseits der Aufstieg der „Space Opera“, die das Genre zurück zum massentauglichen Abenteuer
  • Themen: ökologische Apokalypse, Angst vor totalitären Systemen, Geschichten im Weltraum, Begegnung mit dem Unbekannten und Body Horror
  • Gründung von Firmen wie Industrial Light & Magic (ILM) professionalisierte die Spezialeffekt-Industrie und legte den Grundstein für CGI

Filme:

  • Solaris (1972)
  • Soylent Green (1973)
  • Start Trek: Der Film (1979)
1980er Jahre
  • Jahrzehnt der Extreme: „Popcorn-Kino“ mit rasanten Abenteuern und Cyberpunk
  • Themen: Bedrohung durch Cyborgs und Roboter, Body Horror und Zeitreisen
  • Verwendung komplexe mechanische Puppen
  • erste CGI-Gehversuche
1990er Jahre
  • Übergang vom analogen zum digitalen Zeitalter
  • Themen: Katastrophen, Virtuelle Realität und Simulation sowie Genetik und Bioethik
  • CGI-Revolutionen: Erste Versuche, menschliche Bewegungen digital auf Charaktere zu übertragen

Filme:

  • Terminator 2 – Tag der Abrechnung (1991)
  • Jurassic Park (1993)
  • Ghost in the Shell (1995)
  • Waterworld (1995)
  • 12 Monkeys (1995)
2000er Jahre
  • Jahrzehnt des technologischen Realismus und der „Post-9/11“-Paranoia
  • Übersetzung von zeitgenössischen Ängsten über Überwachung, Terrorismus und den Klimawandel in futuristische Szenarien
  • Themen: Superhelden, KI, Dystopien und Geschichten im Weltraum

Filme:

  • A.I. – Künstliche Intelligenz (2001)
  • Minority Report (2002)
  • The Day After Tomorrow (2004)
  • Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009)
  • District 9 (2009)
  • Moon (2009)
  • Surrogates – Mein zweites Ich (2009)
2010er Jahre
  • Wiedergeburt des Science-Fiction
  • tiefe philosophische Fragen über Zeit, Verlust und die menschliche Wahrnehmung
  • Themen: Erforschung der Zeit, KI und Dystopien

Filme:

  • Inception (2010)
  • Tron: Legacy (2010)
  • Looper (2012)
  • Gravity (2013)
  • Her (2013)
  • Hüter der Erinnerung – The Giver (2014)
  • Ghost in the Shell (2017)

Subgenres:

Space Opera:

Melodramatische Abenteuer mit intergalaktischen Konflikten, bei denen die physikalischen Gesetze oft in den Hintergrund treten.

Filme:

First-Contact-Science-Fiction:

Behandelt das erste Aufeinandertreffen zwischen Menschen und Außerirdischen. Der Fokus liegt auf dem Prozess der Annäherung und den Barrieren bei der Verständigung.

Filme:

Invasions-Science-Fiction:

Eine technologisch oder biologisch überlegene äußere Macht bricht in die Lebensrealität der Menschen ein. Die Folge ist oft der totale gesellschaftliche Kollaps.

Filme:

Sci-Fi-Horror:

Filme behandeln oft die Angst vor dem Unbekannten im All.

Filme:

Hard Science-Fiction:

Hier stehen die Wissenschaft und Naturgesetze im Fokus.

Filme:

  • 2001: Odyssee im Weltraum (1968)
  • Moon (2009)
  • Interstellar (2014)
  • Ex Machina (2014)
  • Der Marsianer (2015)
Social und Psychological Science-Fiction

Technologien und außerirdische Präsenzen dienen als Katalysator für die menschliche Psyche, gesellschaftliche Strukturen, Sprache und philosophische Fragen.

Filme:

  • Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951)
  • Planet der Affen (1968)
  • Solaris (1972)
  • Gattaca (1997)
  • Solaris (2002)
  • District 9 (2009)
Zeitreisen und Time Loops:

In den Filmen geht es um die logischen und paradoxen Konsequenzen von Zeitreisen und Zeitschleifen.

Filme:

Cyberpunk:

Filme mit einer dystopischen Grundhaltung, deswegen sehr pessimistisch und meist von Gewalt geprägt bzw. Gestaltung: düster und sehr geprägt von technischen Errungenschaften. Protagonisten sind zumeist Antihelden. Cyberpunk entstand in den 80er Jahren als Kritik an der Urbanisierung und Kommerzialisierung.

Filme:

Dystopie:

Filme spielen in der Postapokalypse in einer kollabierten Zivilisation sowie visueller Ödnis. Probleme häufig: Ressourcenknappheit, Aufbrechen zivilisatorischer Regeln und Überlebenskampf.

Filme:

 

[1] Thomas Koebner: Filmgenres. Science Fiction, Stuttgart, 2003, S. 9 f.

[2] Vgl. Ebd., S. 11.

[3] Vgl. Ebd, S. 9.