Inside Llewyn Davis

„Wenn es nie neu war und nie alt wird, dann ist es ein Folk-Song.“ – Llewyn Davis

Sleeping ginger cat
Mike Lehmann, Mike Switzerland 09:35, 26 December 2006 (UTC), CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons
  • Erscheinungsjahr: 2013
  • Genre: Psychologisches Drama
  • Produktionsland: USA, Frankreich
  • Regie: Ethan und Joel Coen
  • Drehbuch: Ethan und Joel Coen
  • Musik: T-Bone Burnett, Todd Kasow und Marcus Mumford
  • Besetzung u. a.: Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake, John Goodman, Adam Driver, F. Murray Abraham

Trailer:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=VuQ8pz-5WLY

Quelle: YouTube Kanal von CBS Films

Worum geht’s:

New York, 1961. Der hochtalentierte, aber notorisch stolze Folksänger Llewyn Davis (Oscar Isaac) schlägt sich durch den eiskalten Winter im Greenwich Village. Llewyn Davis hat kein Geld, kein Dach über dem Kopf und pennt auf den Couches von Bekannten, während er versucht, als Solokünstler den Durchbruch zu schaffen. Geplagt von einer ungewollten Schwangerschaft seiner Affäre, den Tücken einer entlaufenen Katze und permanenten Geldsorgen, riskiert Llewyn Davis alles für eine letzte, verzweifelte Audienz bei einem Top-Produzenten in Chicago.

Basiert auf:

Der Film basiert lose auf dem Leben und den Memoiren des realen Folksängers Dave Van Ronk (1936–2002), einer absoluten Schlüsselfigur der New Yorker Folkszene der 1950er und 60er Jahre. Die Coen-Brüder haben sich dabei intensiv an seiner posthum veröffentlichten Biografie „The Mayor of MacDougal Street“ bedient.

Interessantes zur Besetzung:

Als Oscar Isaac (der bis dahin eher kleinere Nebenrollen hatte) zum Vorsprechen kam, spielte er das Traditional „Hang Me, Oh Hang Me“ so makellos, dass Joel Coen später zugab: „Wir wussten sofort: Wenn Oscar nicht aufgetaucht wäre, hätten wir den Film wahrscheinlich in die Tonne getreten.“ Isaac brachte die perfekte Mischung mit: Er hatte jahrelang in einer Ska-Punk-Band namens The Blinking Underdogs gespielt und war ausgebildeter Juilliard-Schauspieler. Für Oscar Isaac bedeutete der Film den endgültigen Durchbruch in die A-Liga Hollywoods.

Die rote Katze ist der rote Faden des Films und hat die Coen-Brüder am Set Berichten zufolge in den Wahnsinn getrieben. Da Katzen bekanntlich absolut nicht auf Regieanweisungen hören, mussten sechs verschiedene, optisch identische Katzen gecastet werden. Jedes Tier hatte ein anderes „Spezialgebiet“: Eine war gut darin, still auf dem Schoß zu sitzen, eine andere lief brav geradeaus, eine dritte war besonders schreckhaft für die U-Bahn-Szenen. Oscar Isaac verbrachte Wochen damit, sich mit den Tieren vertraut zu machen, wurde während der Dreharbeiten aber trotzdem von einer der Katzen so schwer gebissen, dass er ins Krankenhaus musste, um die Wunde wegen Infektionsgefahr behandeln zu lassen.

Erfolge:

Der Erfolg von Inside Llewyn Davis misst sich nicht in Goldstatuen, sondern in seiner filmischen Langlebigkeit. Den Coens ist das seltene Kunststück gelungen, einen Film über das Scheitern zu drehen, der auf ganzer Linie triumphiert.

Interessante Hintergrundinfos:

Wenn man genau hinsieht, fällt auf, dass „Inside Llewyn Davis“ eine extrem eigenwillige Farbstimmung hat. Kameramann Bruno Delbonnel tauchte das New York von 1961 in ein entsättigtes, fast monochromes Grau, Braun und blasses Beige. Die bewusste visuelle Vorgabe der Coens war: Es darf kein sattes Blau im Film vorkommen. Selbst der Himmel über New York und Chicago ist permanent wolkenverhangen, milchig und weiß. Diese triste Farbpalette spiegelt nicht nur die eiskalte Winterstimmung des Village wider, sondern erzeugt visuell die depressive, ausweglose Grauzone, in der sich Llewyns gesamte Existenz abspielt. Es gibt keinen funkelnden, bunten „amerikanischen Traum“, sondern nur matschigen Schnee und rauchige Keller.

Das Gaslight Café in der MacDougal Street war das reale Epizentrum der Folk-Bewegung. Da der echte Club im Village längst geschlossen und umgebaut ist, mussten die Coens ihn komplett im Studio rekonstruieren. Sie nutzten dafür historische Fotografien und die Erinnerungen von Zeitzeugen.

Warum ist „Inside Llewyn Davis“ heute noch bedeutend:

„Inside Llewyn Davis“ zeigt eine unbequeme Wahrheit, die Hollywood sonst gern verschweigt: Talent und harte Arbeit garantieren keinen Erfolg. Llewyn ist brillant. Wenn er singt, bricht es einem das Herz. Aber er scheitert an Faktoren, die er nicht kontrollieren kann – am Timing, an der Marktwirtschaft und an der bitteren Realität, dass Glück eine gigantische Rolle im Leben spielt. Diese ungeschönte Darstellung von Resignation und dem „knapp Vorbeischrammen“ resoniert heute in einer von Leistungsdruck erschöpften Generation stärker denn je.

Die meisten Musikfilme romantisieren das kreative Genie. Sie zeigen den Exzess und den Schmerz, aber am Ende steht immer der triumphale Applaus oder das historische Erbe. Die Coen-Brüder demystifizieren diesen Geniekult radikal. Sie zeigen den Alltag eines Künstlers als das, was er für 99% aller Kreativen ist: physische und psychische Knochenarbeit. Indem „Inside Lleyn Davis“ die Romantik weglässt und den Fokus auf die nackte, handwerkliche und oft deprimierende Realität des Musikgeschäfts legt, bleibt er die wohl authentischste und zeitloseste Liebeserklärung an all jene Künstler, die im Schatten der Popstars ungehört bleiben.