Kino im Wettbewerb mit dem Fernsehen
In den 50er Jahren zogen in den USA die Fernsehgeräte nach und nach in die Wohnzimmer der Menschen und wurden zunehmend eine echte Konkurrenz für das Kino. Um die Zuschauer aus ihren Wohnzimmern zurück in die Säle zu locken, setzte Hollywood auf Formate, die das kleine TV-Gerät nicht bieten konnte: Formate wie CinemaScope, VistaVision und Cinerama machten das Bild breiter und gewaltiger. Technicolor wurde zum Standard für große Produktionen. Manche Studios schafften es zudem den Erfolg des Fernsehens für sich selbst zu nutzen.
Veränderung der Studiolandschaft in Hollywood
Das Urteil des Supreme Court führte zu massiven Veränderungen in der Studiolandschaft. Studios mussten ihre Kinoketten verkaufen und damit ihre komplette Unabhängigkeit aufgeben. Das Block-Booking (das mehrere Filme zusammengekauft werden mussten) wurde verboten und jeder Film musste ab dann einzeln verkauft werden. Das führte u. a. dazu, dass Studios überlegen mussten, ob sie tatsächlich auch noch viele B-Movies drehen wollten. Immer mehr Schauspieler waren nicht mehr an einem Studio angestellt, sondern wurden zu Freelancern oder gründeten sogar eigene Filmproduktionsfirmen.
Bisher hatten sich die Big Five den Filmmarkt quasi untereinander aufgeteilt, nun standen alle Studios miteinander in Konkurrenz um Stars, Exklusivverträge, Patente sowie neue technische Verfahren.
United Artists: Gewinner des Jahtzehnts
United Artists war einer der Gewinner der 1950er Jahre, da sie noch nie eigene Studios oder Kinos besessen hatten und schon immer unabhängig waren, konnten sie quasi weiterarbeiten wie bisher. Sie wurden damit zum Vorbild für die anderen Firmen. Sie produzierten einige erfolgreiche Filme wie z. B. „Zwölf Uhr mittags“.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=1lDblNGL2zo
Quelle: YouTube Kanal von HD Retro Trailers
Disney: Erfand das Konzept des Medienkonzerns
Walt Disney Productions, Ltd. erfand in den 1950er Jahren das Konzept eines „Medienkonzerns“ und ließ sich dadurch von den Umstrukturierungen des Systems in Hollywood quasi nicht beeindrucken. Sie gründeten mit Buena Vista ihren eigenen Verleih. Im Gegensatz zu vielen anderen Studios nutzten sie das Fernsehen als Dauerwerbesendung für ihre Kinofilme und produzierten z. B. die Fernsehserie „Disneyland“, in der ihre neuen Kinofilme sowie der Bau des eigenen Vergnügungsparks vorgestellt wurden (wurde 1955 eröffnet) und auch „The Mickey Mouse Club“. Sie produzierten neben ihren erfolgreichen Zeichentrickfilmen, wie „Cinderella“, „Alice im Wunderland“, „Peter Pan“, „Susi und Strolch“ sowie „Dornröschen“ nun auch Live-Action-Filme und Naturdokumentationen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=llAnzuTUXho
Quelle: YouTube Kanal von Donika Rexha
Horizon: Das „neue Hollywood“
Horizon Pictures galt mit ihrer Unabhängigkeit als das Vorbild für das „neue Hollywood“. Sie spezialisierten sich auf große prestigeträchtige Produktionen, wie z. B. „African Queen“, „Die Faust im Nacken“ oder „Die Brücke am Kwai“, den sie zusammen mit Columbia Pictures produzierten.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=boekTHsOIY8
Quelle: YouTube Kanal von HD Retro Trailers
Columbia: Königin der Kooperationen
Columbia Pictures war eines der Studios die mit dem neuen System in Hollywood am besten klarkamen, da sie schon immer Filme für den freien Markt produziert hatten, für sie änderte sich quasi nichts. Sie kooperierten außerdem viel mit anderen Produktionsfirmen. Eigenproduktionen dominierten Preisverleihungen wie die Oscars, so z. B. der Film „Die Brücke am Kwai“. Sie gründeten zudem die Tochtergesellschaft Screen Gems, welche Serien für das Fernsehen produzierte und verkaufte alte Filmrechte an TV-Sender. So konnte sich Columbia Pictures finanziell stabil halten.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=YtXrjJbJoWM
Quelle: YouTube Kanal von Thomas Roth
Universal: Aufstieg eines Giganten
Universal-International etablierte in den 1950er Jahren für die Schauspieler, wie z. B. Tony Curtis, ihrer Filme das Prinzip der prozentualen Gewinnbeteiligung am Gewinn. Auch andere Studios übernahmen später dieses Prinzip. Besonders beliebt waren zu dieser Zeit ihre Melodramen sowie Science-Fiction-Filme. Letztere entstanden vor allem aus der Angst heraus, die in Hollywood verbreitet war, von Kommunisten unterwandert zu sein. Aber auch seiner Tradition der Monsterfilme blieb das Studio treu. Ende des Jahrzehnts fusionierten sie mit der mächtigen Talentagentur MCA, welche quasi die Stars mitbrachten, die bei Ihnen unter Vertrag standen. Langsam wurde Universal-International zu einem der mächtigsten Studios der Welt.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=MxU2M8hbDKk&list=PLUO8cv-fzd5tGjBD_oYSN84TwFJ9l9MFs&index=35
Quelle: YouTube Kanal von CappaZack
Paramount: Kooperationen, Großprojekte und Komödien
Paramount Pictures, Inc. schaffte es trotz der strukturellen Umbrüche eines der erfolgreichen Studios zu bleiben. Das lag vor allem daran, dass sie verstärkt mit unabhängigen Produzenten und Filmemachern zusammenarbeiteten, wie z. B. Alfred Hitchcock der mit ihnen unter anderem Filme wie z. B. „Vertigo“ mit James Stewart und „Das Fenster zum Hof“ produzierte, und sie sich auf prestigeträchtige Großprojekte konzentrierten, wie z. B. „Die zehn Gebote“. Um solche Großprojekte gegen zu finanzieren, drehten die u. a. auch Komödien mit z. B. Dean Martin. Audrey Hepburn wurde in den 1950er Jahren bei Paramount Pictures, Inc. zur Ikone. Außerdem entwickelten sie das Breitbandformat VistaVision.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=UHhsEYDg8GI
Quelle: YouTube Kanal von Universal Pictures UK
Warner Bros.: Das Chamäleon
Warner Bros. Pictures, Inc. bewies in den 1950er Jahren ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. So stellten sie sich z. B. breiter auf indem sie Warner Bros. Television für eigene TV-Produktionen sowie Warner Bros. Records für die eigene Produktion von Platten gründeten und agierten, neben den Eigenproduktionen, bei Filmen von unabhängigen Produzenten auch als reiner Vertrieb. Sie entdeckten auch früher als die anderen die unzufriedene Jugend als lukrative Zielgruppe. Anstatt in die Entwicklung neuer Technik, investierten sie Geld in Inhalte bzw. Rechte an bestimmten Inhalten.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=4OKws4I5vGY
Quelle: YouTube Kanal von LogicSmash
20th Century: Zu viele Großproduktionen
20th Century-Fox kam zu Beginn der 1950er Jahre noch recht gut mit der Veränderung im System von Hollywood klar, zum Ende des Jahrzehnts jedoch nicht mehr so sehr. Sie setzten zunächst auf neue Technologie, z. B. das Breitbildformat CinemaScope, Stars wie Marilyn Monroe sowie große Produktionen. Genau mit diesen verzettelten sie sich dann jedoch, weil die Kosten dieser dann oft explodierten.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=6CDzD_nkFDo
Quelle: YouTube Kanal von The Underworld [20th Century Fox]
MGM: Musicals, Action-Thriller und Monumentalfilme
Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) hatte in den 1950er Jahren die größten Probleme, da die riesigen Studios und die vielen festangestellten Mitarbeiter nun eine finanzielle Herausforderung darstellten. Trotz der Krise schufen sie einige erfolgreiche Filme, z. B. Musicals wie „Singin‘ in the Rain“ und Action-Thriller wie „Der unsichtbare Dritte“ mit Cary Grant. Der Monumentalfilm „Ben Hur“ konnte mit seinem Erfolg, finanziell sowie 11 Oscars, das Studio zunächst vor einem Untergang bewahren.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ggQD3-ZE9kI
Quelle: YouTube Kanal von Thomas Roth
RKO: Abstieg eines Giganten
RKO Radio Pictures überlebte die 1950er Jahre nicht und ging insolvent, da es das neue Management unter Howard Hughes nicht schaffte sich an das nun neue System in Hollywood anzupassen.
Bryna Productions: Kirk Douglas
Kirk Douglas, der sich stets weigerte sich fest an nur ein Studio zu binden, gründete 1955 seine eigene Filmproduktionsfirma: Bryna Productions, Inc. (benannt nach seiner Mutter Bryna Demsky). In Zukunft konnte er so die Gewinne an seinen Filmen auch selbst behalten und sich künstlerisch an riskante, politische sowie düstere Themen versuchen, die den großen Studios zu riskant waren. Er produzierte Filme wie z. B. „Wege zum Ruhm“ von Stanley Kubrick und „Die Wikinger“.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=FESvZ0HG2p4
Quelle: YouTube Kanal von Amazon MGM Studios
Actors Studio: Talentschmiede
Die Actors Studio in New York „belieferten“ die Hollywood-Storys quasi mit Stars für ihre Filme. Ihre Absolventen, wie z. B. Marlon Brando, James Dean und Marilyn Monroe waren besonders bei Warner Bros. Pictures, Inc. sowie Columbia Pictures sehr gefragt.
Regisseure werden zu Marken
Ende der 50er Jahre war dann auch das Ende des „Golden Age“ in Hollywood. In dieser Zeit des Übergangs von den 50er zu den 60er Jahren waren es außerdem zunehmend nicht mehr die Studios, die entschieden welche Filme gemacht wurden, sondern die Regisseure, die sich entschieden welche Filme sie gerne drehen wollten. Regisseure wurden quasi selbst zu einer Marke. Viele Zuschauer gingen in einem Film, weil er von Regisseur XY gedreht wurde.
Pathé in den 1950er Jahren
Pathé spezialisierte sich in den 1950er Jahren vor allem auf europäische Koproduktionen und drehte in Großbritannien vor allem britische Komödien sowie Krimis.
Die UFA in den 1950er Jahren
Mitte der 1950er Jahre wurde die UFA wieder privatisiert als ein Bankenkonsortium unter der Führung der Deutschen Bank ihre Reste aufkaufte, um ein Gegengewicht zu Hollywood zu schaffen. Dennoch war die UFA ende des Jahrzehnts bankrott, da die Fixkosten der großen Studios und des Verwaltungsapparats einfach zu hoch waren. Bertelsmann kaufte die Markenrechte und machten aus der UFA ein modernes Medienhaus.
Die DEFA in den 1950er Jahren
Die DEFA produzierte Anfang der 1950er Jahre vor allem Filme, die sich mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzten, wie z. B. „Der Untertan“. Doch ab Mitte des Jahrzehnts gerieten sie mehr unter politischen Druck und wurden gezwungen den „Sozialistischen Realismus“ in ihren Filmen abzubilden. Die DEFA versuchte außerdem mit dem West-Fernsehen mitzuhalten und produzierte deswegen Märchenfilme mit ausgefeilter Tricktechnik, wie z. B. „Das kalte Herz“ und begann Ende des Jahrzehnts die Produktion von Indianerfilmen als Gegenentwurf zum US-Western.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=VFF5bP6gytg
Quelle: YouTube Kanal von DEFA Filmwelt
Bavaria in den 1950er Jahren
Genau wie die UFA wurde auch Bavaria Film Mitte der 1950er Jahre privatisiert und auch hier übernahm hauptsächlich ein Konsortium aus Banken das Studio. Sie drehten in dieser Zeit weiter Heimatfilme, aber auch Literaturverfilmungen. Da ihr Studiogelände eines der größten Europas war, begannen auch US-Studios, aufgrund der niedrigeren Kosten In Deutschland, dort zu produzieren. Ende des Jahrzehnts war Bavaria Film aufgrund teurer Produktionen und dem Einbruch der Zuschauerzahlen in einer Krise. Gerettet wurden sie vom Süddeutschen Rundfunk, der gemeinsam mit dem Westdeutschen Rundfunk, die Mehrheit übernahmen und das Studio zu einem Dienstleister für das Fernsehen umstrukturierten.
Constantin Film
1950 gründete sich Constantin Film bzw. damals noch Constantin-Filmverleih, da zunächst als reiner Filmverleih begannen: Sie suchten sich die besten Filme aus dem Ausland, vor allem aus den USA, und brachten sie in die deutschen Kinos.
Filmmusik in den 50er Jahren
Ab den 50er Jahren wurde die Filmmusik auch zunehmend von Rock- und Popmusik beeinflusst.
Quellen:
- Dokumentation „The Movies – Die Geschichte Hollywoods“, USA 2019, (produziert u.a. von Tom Hanks für CNN)
- Dokumentation „Making Waves: The Art of Cinematic Sound“, USA 2019, (produziert für arte)
Filme der 50er Jahre:
- 12 Angry Men (Die 12 Geschworenen)
- Anatomy of a murder (Anatomie eines Mordes)
- Ben Hur
- High Noon (Zwölf Uhr mittags)
- Invasion of the Body Snatchers (Invasion der Körperfresser/Die Dämonischen)
- North by Northwest (Der unsichbare Dritte)
- Some Like It Hot (Manche mögen’s heiß)
- Strangers on a Train (Der Fremde im Zug)
- Vertigo – Aus dem Reich der Toten

