Hollywood wird neues Zentrum der Filmwelt in den 1910er Jahren
Der Erste Weltkrieg brachte die europäische Filmindustrie in den 1910er Jahren fast vollständig zum Erliegen. Die US-Industrie befand sich damals zunächst noch in New York und New Jersey. Dort hatte u. a. die von Thomas Edison (ja der mit der Glühbirne) geründete Motion Picture Patents Company sämtliche Patente aus Kameras und Projektoren inne und konnte deswegen horrende Gebühren verlangen. Viele unabhängige Filmemacher flohen deswegen gerade zu nach Kalifornien. Kalifornien lag zum einen genau auf der anderen Seite des Landes, zum anderen bot es aber auch viele Vorteile für die Filmproduktion: 300 Tage Sonne ermöglichten 300 Tage Außenaufnahmen im Jahr, die diverse Landschaft um Hollywood bot Wüsten, Berge, Wälder und das Meer und sowohl Land als auch Arbeitskräfte waren damals in Kalifornien recht günstig. Aus all diesen Gründen etablierte sich das Zentrum der Filmwelt zu dieser Zeit in Hollywood und Pathé Frères verlor seine Vormachtstellung an die dort neugegründeten Studios.

Zu den fliehenden Filmemachern gehörten u. a. die Brüder David und William Horsley, die Gründer (1907) der Centaur Film Company in New Jersey. Diese zogen mit ihrer Firma 1911 nach Hollywood und eröffneten dort mit den Nestor Studios (Nestor Motion Picture Company) das erste Filmstudio in Hollywood. Sie begannen dort in Fließbandarbeit Western, Komödien und Dramen zu drehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=tmR8-RXtJjg
Quelle: YouTube Kanal von Logo Archive Collection Company
1912 gründete sich mit Paramount Pictures das heute älteste noch seit damals unter demselben Namen existierende Studio Hollywoods. Streng genommen war es ein Zusammenschluss aus drei verschiedenen Firmen. Sie fingen an besonders auch Langfilme zu produzieren. Außerdem etablierten sie das „Block Booking“: wenn ein Kinobesitzer einen Film mit einem Star zeigen wollte, konnte er diesen nur in einem Paket mit 20 anderen (Schrott)Filmen erwerben.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ovrGRUxHrVI&list=PLJe3DDjoi_XgDnqz_An7dqd0AnOyapCuw&index=7
Quelle: YouTube Kanal von Logic Smash
Im selben Jahr gründete sich auch Universal Pictures bzw. war es eigentlich auch eine Fusion aus fünf verschiedenen Firmen, darunter auch die Nestor Studios. 2015 wurde dann auch die Universal City, ein riesiger Studiokomplex und größtes Filmstudio der Welt, im San Fernando Valley eröffnet. Auf dem Gelände gab es auch eine eigene Polizeistation, eine Feuerwehr sowie einen Zoo. Besucher konnten damals für 25 Cent bei Filmdrehs, von einer Tribüne aus, zugucken und bekamen sogar noch eine Lunchbox dazu.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=kS43napX0cM&list=PLUO8cv-fzd5tGjBD_oYSN84TwFJ9l9MFs&index=1
Quelle: YouTube Kanal von The Rejekstan
Als drittes wurden auch die Keystone Studios 1912 gegründet. Obwohl eher ein kleineres Studio, galt es als Talentschmiede für Stars: z. B. Charlie Chaplin drehte hier seine ersten Filme. Hier wurde außerdem die Technik etabliert Actionfilme durch den Schnitt, also das bewusste Herausschneiden von Bildern, schneller wirken zu lassen. 1915 fusionierte es mit zwei anderen Firmen kurzzeitig zusammen in die Triangle Film Corporation, Ziel war quasi eine Art Super-Studio mit vielen Stars. Allerdings übernahmen sich alle etwas: zu teuer, und zu viele kreative Köpfe mit großen Egos, weswegen das Super-Studio zwei Jahre später bereits wieder zerbrach.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=bF8LxFitlNU
Quelle: YouTube Kanal von Silver Screen Filmothèque
2015 gründete William Fox die Fox Film Corporation, die zunächst z. B. Hochglanzwestern drehten. Der größte Beitrag innerhalb der Filmindustrie war aber wohl die Entwicklung des Movietone-Systems, welches es ermöglichte Ton direkt auf den Filmstreifen aufzuzeichnen anstatt auf eine separate Schallplatte.
In Berlin entstand 2017 mit der UFA (Universum-Film AG) das sogenannte „Hollywood von Europa“. Das einzige Studio weltweit, was tatsächlich immer mit Hollywood mithalten konnte. Interessant: Die UFA wurde vom Militär gegründet, um der Filmpropaganda der Alliierten im Ersten Weltkrieg etwas entgegensetzen zu können. Ein Studio als Instrument, um die deutschen Interessen im In- und Ausland zu vertreten. Mehrere kleine Firmen wurden dafür zu einem großen Studio verschmolzen. Um nach dem Krieg weiter bestehen zu können, wurde die UFA dann privatisiert.
