1917

„Es ist ein direkter Befehl, den Angriff morgen früh abzusagen. Wenn Sie es nicht tun, wird es ein Massaker. Wir werden zwei Bataillone verlieren, sechzehnhundert Mann, Ihr Bruder unter ihnen.“ General Erinmore in 1917

„Mein Großvater erzählte mir viele Geschichten aus dem Ersten Weltkrieg. Er war siebzehn Jahre alt damals. Der Film ist eine Vergrößerung einer dieser Geschichten, die er mir erzählte. Vieles darin ist ihm persönlich nicht widerfahren. Und die beiden Charaktere, Schofield und Blake, sind nicht meinem Großvater nachempfunden.“ – Regisseur Sam Mendes[1]

Warum man „1917“ gesehen haben sollte:

Der Film fängt die schlammigen, klaustrophobischen und grauenhaften Bedingungen der Schützengräben und das „Niemandsland“ mit beklemmender Präzision ein. Er verdeutlicht die absurde Brutalität des Stellungskriegs.

Im Gegensatz zu epischen Schlachten konzentriert sich der Film auf die persönliche Ausdauer, den Mut und die Menschlichkeit der zwei jungen Männer. Er zeigt die physische und psychische Belastung, die jeder einzelne Moment des Überlebens im Krieg mit sich bringt.

Die „One-Shot“-Technik erzeugt eine beispiellose Immersion und Spannung. Es gibt keine Schnitte, die eine Atempause erlauben; die Gefahr ist konstant, unmittelbar und unentrinnbar. Der Zuschauer wird zum inoffiziellen dritten Soldaten, der die Reise physisch und emotional miterlebt.

Die beteiligten Staaten und deren Kolonien während des ersten Weltkrieges
Moctezuma1466, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
  grün: Die Entente und ihre Verbündeten
  orange: Mittelmächte
  grau: Neutrale Staaten/Territorien
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Genre: Kriegsfilm
  • Produktionsland: USA, GB
  • Regie: Sam Mendes
  • Drehbuch: Krysty Wilson-Cairns und Sam Mendes
  • Musik: Thomas Newman
  • Besetzung u. a.: George MacKay, Dean-Charles Chapman, Gerran Howell, Benedict Cumberbatch, Andrew Scott, Richard Madden, Colin Firth, Mark Strong

Trailer:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=YqNYrYUiMfg

Quelle: YouTube Kanal von Universal Pictures

Worum geht’s:

1917 spielt im Jahr 1917 während des Ersten Weltkriegs an der Westfront in Nordfrankreich.

Die zwei jungen britischen Korporale Schofield (George MacKay) und Blake (Dean-Charles Chapman) erhalten einen nahezu unmöglichen Befehl von General Erinmore (Colin Firth). Ein Bataillon von 1600 Mann – darunter Blakes älterer Bruder – bereitet sich darauf vor, im Morgengrauen einen deutschen Angriff zu starten. Die Deutschen haben sich jedoch strategisch zurückgezogen und eine falsche Front inszeniert, um die Briten in eine tödliche Falle zu locken. Schofield und Blake müssen so schnell wie möglich die feindlichen Linien durchqueren und zu der vorgerückten Einheit vordringen, um den Befehl zur Einstellung des Angriffs zu überbringen, bevor es zu spät ist und die 1600 Soldaten in den Hinterhalt geraten.

Basiert auf:

Den Erzählungen über seine Erlebnisse als Meldeläufer zwischen 1916 und 1918 von Sam Mendes’ Großvater Alfred H. Mendes, einem Veteranen des Ersten Weltkriegs, der als Lance Corporal diente.[2]

Interessantes zur Besetzung:

Das Besondere an der Besetzung von 1917 ist die strategische Verteilung von jungen, noch relativ unbekannten Schauspielern in den Hauptrollen. Das sollte die Konzentration der Zuschauer voll auf die Figuren lenken und die Anonymität der jungen Soldaten im Krieg betonen.

Erfolge:

„1917“ hat drei Oscars® gewonnen:[3]

  • Beste Kamera
  • Bester Ton
  • Beste visuelle Effekte

Interessante Hintergrundinfos:

Die Hauptdarsteller verbrachten Monate damit, die Choreografie der langen Takes zu proben und zu verinnerlichen, die oft schnelles Laufen, Klettern über Schlamm und das Manövrieren um Krater herum beinhaltete, während sie gleichzeitig ihre emotionalen Dialoge ablieferten.

Da die Kamera die Schauspieler in einer einzigen langen Aufnahme verfolgte (oder zumindest so aussah), mussten die Darsteller ihre Dialoge, Emotionen und physischen Bewegungen auf die Sekunde genau an die Kamerabewegungen anpassen.

Warum ist der Film heute noch bedeutend:

Der One-Shot-Effekt zwingt das Publikum, die Reise der Protagonisten in Echtzeit mitzuerleben. Es gibt keine Schnitte, um dem Zuschauer eine Pause zu gönnen oder die Orientierung zu erleichtern. Das erzeugt eine tiefgreifende, immersive und beklemmende Erfahrung des Krieges.

Obwohl der Film die Taten der Soldaten ehrt, ist er im Grunde zutiefst ein Anti-Kriegs-Film. Das Chaos, der Schlamm, die Leichen und die psychische Belastung der Hauptfiguren zeigen das Grauen des Ersten Weltkriegs ohne Verherrlichung.

Der Film trägt dazu bei, die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg – der oft im Schatten des Zweiten Weltkriegs steht – wachzuhalten und die jungen Generationen mit den physischen und psychischen Realitäten dieses Konflikts zu konfrontieren.

[1] https://www.filmdienst.de/artikel/39750/1917-interview-mit-sam-mendes

[2] https://www.derstandard.at/story/2000113160136/1917-sam-mendes-abenteuerparcours-im-niemandsland

[3] https://www.oscars.org/oscars/ceremonies/2020